Folgen und Grenzwerte
Folgen bilden, ihr Verhalten beschreiben und Grenzwerte berechnen.
Voraussetzungen: Potenzen, Brüche, Wurzeln und das Umformen von Termen.
Das kannst du danach
- Explizite und rekursive Folgen lesen und umwandeln
- Bildungsgesetz aus den ersten Gliedern erkennen
- Monotonie und Beschränktheit sauber nachweisen
- Grenzwerte mit den Grenzwertsätzen und der e-Formel berechnen
1. Folgen lesen
Eine Folge ordnet jedem Index eine Zahl zu. Prüfe, ob die Nummerierung bei oder beginnt.
Explizit: liefert das Glied direkt. Rekursiv: braucht einen Anfangswert.
Beide Vorschriften ergeben für die Folge .
2. Arithmetisch oder geometrisch?
| Art | Erkennungsmerkmal | Formel für |
|---|---|---|
| Arithmetisch | Konstante Differenz | |
| Geometrisch | Konstanter Faktor |
Beispiel
Bei und gilt .
Bei und gilt
Bei Zinseszinsen startet die Zeit oft bei : .
3. Die Fibonacci-Folge
Das Standardbeispiel einer Rekursion zweiter Ordnung: Jedes Glied ist die Summe seiner beiden Vorgänger.
Rekursiv:
Weil die Vorschrift zwei Vorgänger benutzt, genügt ein einzelner Startwert nicht — es braucht zwei. So entstehen die Glieder:
Die Folge ist weder arithmetisch (Differenzen ) noch geometrisch (Quotienten ), streng monoton steigend ab und unbeschränkt, also divergent.
Explizit (Formel von Binet): Mit dem goldenen Schnitt und gilt
Woher kommt die Formel?
Setze den Ansatz in die Rekursion ein:
Die charakteristische Gleichung hat nach der Mitternachtsformel genau die Lösungen und . Die allgemeine Lösung lautet ; aus folgt und .
Beide Wege im Vergleich
| Rekursiv | Explizit | |
|---|---|---|
| Vorschrift | ||
| Startwerte nötig | ja: | nein |
| erst , dann | direkt einsetzen: | |
| Vorteil | kurz, zeigt die Bauidee | springt sofort zu jedem Index |
| Nachteil | alle Vorgänger nötig | Wurzeln, Rundungsfehler |
Probe für :
Wegen ist eine Nullfolge. Für große gilt daher , gerundet auf die nächste ganze Zahl. Die Quotienten konvergieren gegen .
4. Monotonie und Beschränktheit
Untersuche das Vorzeichen von :
- positiv: streng wachsend;
- negativ: streng fallend;
- nichtnegativ bzw. nichtpositiv: monoton.
| Bezeichnung | Bedingung | Beispiel |
|---|---|---|
| monoton steigend | ||
| streng monoton steigend | , | |
| monoton fallend | ||
| streng monoton fallend | ||
| nicht monoton | keins von beidem | |
| konstant |
Eine Folge heißt beschränkt, wenn sie von oben und von unten beschränkt ist, also feste Zahlen mit für alle Indizes existieren.
ist streng monoton steigend, aber nach oben unbeschränkt – also nicht beschränkt. Dagegen gilt für
Beispiel
Außerdem gilt für . Die Folge wächst und ist beschränkt.
Eine monotone, beschränkte reelle Folge konvergiert. Beschränktheit allein reicht nicht: springt zwischen und .
5. Grenzwerte berechnen
bedeutet: Ab einem ausreichend großen Index liegen alle Folgenglieder beliebig nahe bei .
Eine Folge heißt konvergent, wenn sie einen Grenzwert besitzt:
Sonst heißt die Folge divergent. Eine Folge, die gegen null konvergiert, heißt Nullfolge.
Eine Folge, die monoton und beschränkt ist, ist auch konvergent. Umgekehrt gilt das nicht! konvergiert gegen , ist aber nicht monoton.
Die vier Bausteine
Diese Standardgrenzwerte musst du auswendig können – auf sie läuft am Ende jede Rechnung hinaus.
| Baustein | Grenzwert | Beispiele |
|---|---|---|
| für | ||
| Konstante | ||
| mit | ||
| mit , und |
Grenzwertsätze
Voraussetzung: und sind konvergent mit und . Nur dann darf der Limes auf die einzelnen Bausteine verteilt werden.
1. Summe und Differenz
2. Produkt
3. Quotient (für )
4. Potenz mit festem Exponenten
5. Exponent mit . Bei versagt Regel 4, weil der Exponent mitwächst. Stattdessen gilt
Achte auf den Unterschied zwischen Regel 4 und 5: , aber . Ein fester Exponent darf mitgezogen werden, ein mitwachsender nicht.
Bei rationalen Ausdrücken teilst du durch die höchste Potenz von :
Wichtige Fälle:
Bei wächst unbegrenzt. Das ist kein endlicher Grenzwert.
6. Unbestimmte Ausdrücke und der Einschnürungssatz
Setze zuerst im Kopf ein. Kommt eine normale Zahl heraus, bist du über die Grenzwertsätze fertig. Kommt dagegen einer dieser Ausdrücke heraus, sind die Grenzwertsätze nicht anwendbar:
Die häufigsten Irrtümer: ist nicht , ist nicht , und ist nicht . Dass die Form allein nichts aussagt, zeigen drei Brüche desselben Typs: , , .
Erst umformen, dann den Grenzwert bilden.
Einschnürungssatz (Sandwich)
Das Mittel gegen schwankende Terme wie , oder , deren Grenzwert für sich allein gar nicht existiert.
Satz. Gilt für alle hinreichend großen und haben die äußeren Folgen denselben Grenzwert , so konvergiert auch gegen .
Schätze dazu den schwankenden Teil durch seine feste Schranke ab und teile die Ungleichungskette durch den wachsenden Nenner:
Beide Ränder sind Nullfolgen, also gilt
Genauso folgt und .
Merksatz: beschränkte Folge Nullfolge Nullfolge. Ohne den wachsenden Nenner geht es nicht – allein divergiert unbestimmt.
7. Wurzelausdrücke umformen
Bei einer Differenz von Wurzeln erweitere mit dem konjugierten Ausdruck:
So vermeidest du den nicht definierten Ausdruck „unendlich minus unendlich“.
Musterrechnung
Gesucht ist . Direkt eingesetzt entsteht , also ein unbestimmter Ausdruck.
1. Konjugiert erweitern.
2. Zähler mit der dritten binomischen Formel. Die Wurzeln verschwinden:
3. Im Nenner ausklammern. Für gilt :
4. Kürzen und Grenzwert bilden.
8. Rekursive Grenzwerte
Wenn konvergiert und an der Grenzstelle stetig ist, erfüllt der Grenzwert
Das liefert zunächst nur Kandidaten.
Für und folgt . Die explizite Darstellung bestätigt die Konvergenz.
9. Checkliste: Welches Verfahren wann?
Setze zuerst im Kopf ein und schau, welche Form entsteht. Die Form bestimmt das Verfahren.
| Was du siehst | Verfahren | Abschnitt |
|---|---|---|
| eine normale Zahl | fertig – Grenzwertsätze direkt anwenden | 5 |
| bei einem Bruch | durch die höchste Potenz von teilen | 5 |
| mit Wurzeln | konjugiert erweitern | 7 |
| , , im Zähler | Einschnürungssatz | 6 |
| im Exponenten, Form | auf bringen | 5 |
| lösen, Konvergenz extra begründen | 8 |
Gradregel für Polynombrüche: Zählergrad Nennergrad ; gleich Quotient der Leitkoeffizienten; größer bestimmt divergent.
Reihenfolge in der Klausur: erst einsetzen, dann Form erkennen, dann umformen, erst zum Schluss rechnen. Wer sofort losrechnet, wendet die Grenzwertsätze oft auf unbestimmte Ausdrücke an – der häufigste Punktabzug.
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