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Mengenlehre

Mengen beschreiben, verknüpfen und mit Intervallen rechnen.

Voraussetzungen: Zahlen vergleichen und einfache Ungleichungen lösen.

Das kannst du danach

  • Element und Teilmenge unterscheiden
  • Vereinigung, Schnitt, Differenz und Komplement bilden
  • Intervalle und Mächtigkeiten bestimmen
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1. Erst die Grundmenge festlegen

Die Grundmenge Ω\Omega legt fest, welche Objekte überhaupt betrachtet werden. Eine Bedingung allein beschreibt noch nicht eindeutig die gesuchte Menge.

Nimm die Bedingung −5<x≤5-5<x\leq 5. Je nach Grundmenge ergibt sich eine andere Menge:

GrundmengeElemente, die die Bedingung erfüllen
Positive natürliche Zahlen N={1,2,3,… }\mathbb N=\{1,2,3,\dots\}{1,2,3,4,5}\{1,2,3,4,5\}
Natürliche Zahlen mit Null N0\mathbb N_0{0,1,2,3,4,5}\{0,1,2,3,4,5\}
Negative ganze Zahlen Z<0\mathbb Z_{<0}{−4,−3,−2,−1}\{-4,-3,-2,-1\}
Ganze Zahlen Z\mathbb Z{−4,−3,−2,−1,0,1,2,3,4,5}\{-4,-3,-2,-1,0,1,2,3,4,5\}
Reelle Zahlen R\mathbb RDas gesamte Intervall (−5,5](-5,5]

Wichtig für das Übungsblatt: Ob 0∈N0\in\mathbb N gilt, hängt von der im Kurs vereinbarten Konvention ab. Schreibe sie bei Aufgaben 1, 3 und 15 ausdrücklich dazu. Hier bezeichnet N\mathbb N die positiven natürlichen Zahlen; N0\mathbb N_0 enthält zusätzlich die Null.

Beispiel: „Zahlen kleiner als 10“

In N\mathbb N erhältst du die endliche Menge {1,2,…,9}\{1,2,\dots,9\}. In Z\mathbb Z gehören auch alle negativen ganzen Zahlen dazu:

{x∈Z∣x<10}={…,−2,−1,0,1,…,9}.\{x\in\mathbb Z\mid x<10\}=\{\dots,-2,-1,0,1,\dots,9\}.

In Q\mathbb Q sind zusätzlich Brüche wie 12\frac12, −73-\frac73 und 9,999{,}99 enthalten. Diese Menge lässt sich nicht als endliche Liste angeben:

{x∈Q∣x<10}.\{x\in\mathbb Q\mid x<10\}.

Bezug zum Blatt: Aufgaben 1b und 3 prüfen genau diesen Wechsel der Grundmenge.

2. Mengen beschreiben und Elemente zählen

Eine Menge enthält Objekte, ihre Elemente. Reihenfolge und Wiederholungen sind unwichtig:

{1,2,3}={3,1,2,2}.\{1,2,3\}=\{3,1,2,2\}.
  • Aufzählend: A={2,4,6,8,… }A=\{2,4,6,8,\dots\}.
  • Beschreibend: A={2n∣n∈N}A=\{2n\mid n\in\mathbb N\}.
  • Elementbeziehung: 2∈A2\in A bedeutet „2 ist ein Element von A“.
  • Mächtigkeit: ∣A∣|A| ist die Anzahl verschiedener Elemente einer endlichen Menge.

Die Menge der Buchstaben eines Wortes enthält jeden Buchstaben nur einmal. Achte darauf, ob Groß- und Kleinbuchstaben als verschieden gelten.

Zahlen zuerst vereinfachen

Bevor du Mengen vergleichst, vereinfache Brüche, Wurzeln und Potenzen:

814=47,148=1,75,(−2)2=4,−22=−4.\frac8{14}=\frac47,\qquad \frac{14}{8}=1{,}75,\qquad (-2)^2=4,\qquad -2^2=-4.

Klammern verändern das Ergebnis. (−2)2(-2)^2 quadriert die negative Zahl. Bei −22-2^2 wird zuerst potenziert und danach das Minus angewendet.

Eine Menge ohne Elemente ist die leere Menge ∅={}\varnothing=\{\}. Dagegen enthält {∅}\{\varnothing\} ein Element, nämlich die leere Menge.

3. Teilmenge ist nicht Element

A⊆BA\subseteq B bedeutet: Jedes Element von A ist auch ein Element von B. Eine echte Teilmenge A⊊BA\subsetneq B ist zusätzlich ungleich BB.

A=B⟺A⊆B und B⊆A.A=B\quad\Longleftrightarrow\quad A\subseteq B\ \text{und}\ B\subseteq A.

Die leere Menge ist Teilmenge jeder Menge. Sie ist aber nur dann Element einer Menge, wenn sie dort ausdrücklich vorkommt.

Verschachtelte Mengen richtig lesen

Für

E={∅,0,{0}}E=\{\varnothing,0,\{0\}\}

gibt es genau drei Elemente:

  1. die leere Menge ∅\varnothing,
  2. die Zahl 00,
  3. die Menge {0}\{0\}.

Daher gelten 0∈E0\in E und {0}∈E\{0\}\in E. Auch {0}⊆E\{0\}\subseteq E ist wahr, denn das einzige Element von {0}\{0\}, die Zahl 00, liegt in EE.

Eine Menge innerhalb einer Menge wird beim Zählen nicht „ausgepackt“. In {1,{2,3}}\{1,\{2,3\}\} liegen zwei Elemente, nicht drei.

Bezug zum Blatt: Aufgaben 16–19 drehen sich um diese Unterscheidung.

4. Schnitt, Vereinigung und Differenz

ZeichenBedeutungPrüf-Frage für ein Element xx
A∩BA\cap BSchnittLiegt xx in beiden Mengen?
A∪BA\cup BVereinigungLiegt xx in mindestens einer Menge?
A∖BA\setminus BDifferenzLiegt xx in AA, aber nicht in BB?

Für A={1,3,5}A=\{1,3,5\} und B={3,4,5}B=\{3,4,5\} gilt:

A∩B={3,5},A∪B={1,3,4,5},A∖B={1}.A\cap B=\{3,5\},\qquad A\cup B=\{1,3,4,5\},\qquad A\setminus B=\{1\}.

Die Differenz ist nicht vertauschbar: B∖A={4}B\setminus A=\{4\}.

Geschachtelte Ausdrücke von innen nach außen

Bei A∩((B∪D)∖(C∩B))A\cap((B\cup D)\setminus(C\cap B)):

  1. Berechne B∪DB\cup D.
  2. Berechne C∩BC\cap B.
  3. Entferne das Ergebnis aus Schritt 2 aus dem Ergebnis von Schritt 1.
  4. Schneide die verbleibende Menge mit AA.

So behältst du bei den Aufgaben 13–15 die Übersicht.

5. Komplementmenge: alles außerhalb von A, aber innerhalb von Ω

Das Komplement von A bezüglich der Grundmenge Ω besteht aus allen betrachteten Elementen, die nicht in AA liegen:

Ac=Ω∖A={x∈Ω∣x∉A}.A^c=\Omega\setminus A =\{x\in\Omega\mid x\notin A\}.

Andere Schreibweisen sind A‾\overline A oder A∁A^\complement. Im Übungsblatt wird auch ein hochgestelltes CC verwendet.

Dieselbe Menge, anderes Komplement

Sei A={2,4}A=\{2,4\}.

  • Bei Ω1={1,2,3,4}\Omega_1=\{1,2,3,4\} gilt Ac={1,3}A^c=\{1,3\}.
  • Bei Ω2={1,2,3,4,5,6}\Omega_2=\{1,2,3,4,5,6\} gilt Ac={1,3,5,6}A^c=\{1,3,5,6\}.

Ohne Grundmenge ist ein Komplement nicht eindeutig bestimmt. Eine Differenz B∖AB\setminus A nennt dagegen direkt die Menge BB, aus der entfernt wird.

Die Grundmenge aus dem Komplement rekonstruieren

Wenn S⊆ΩS\subseteq\Omega und das Komplement ScS^c bekannt ist, gilt

Ω=S∪Sc,S∩Sc=∅.\Omega=S\cup S^c,\qquad S\cap S^c=\varnothing.

Für Aufgabe 8b gehst du deshalb so vor:

  1. Bestimme zuerst S=A∪B∪CS=A\cup B\cup C.
  2. Ergänze genau die Elemente des vorgegebenen Komplements.
  3. Weitere Elemente dürfen nicht in Ω\Omega liegen, sonst würden auch sie zum Komplement gehören.

Regeln für Komplemente

(Ac)c=A,A∪Ac=Ω,A∩Ac=∅.(A^c)^c=A,\qquad A\cup A^c=\Omega,\qquad A\cap A^c=\varnothing. ∅c=Ω,Ωc=∅.\varnothing^c=\Omega,\qquad \Omega^c=\varnothing.

De Morgan:

(A∪B)c=Ac∩Bc,(A∩B)c=Ac∪Bc.(A\cup B)^c=A^c\cap B^c,\qquad (A\cap B)^c=A^c\cup B^c.

„Nicht in mindestens einer Menge“ bedeutet „in keiner der beiden“. „Nicht in beiden gleichzeitig“ bedeutet dagegen „mindestens eine Zugehörigkeit fehlt“.

6. Venn-Diagramme lesen und zeichnen

Das Rechteck stellt Ω\Omega dar; Kreise stellen die Mengen dar. Auch der Bereich außerhalb aller Kreise gehört zur Grundmenge.

Für zwei Mengen gibt es vier Bereiche:

A∩B,A∖B,B∖A,Ω∖(A∪B).A\cap B,\quad A\setminus B,\quad B\setminus A,\quad \Omega\setminus(A\cup B).

Für drei Mengen gibt es acht mögliche Zugehörigkeitskombinationen:

ZugehörigkeitBereich
nur AAA∖(B∪C)A\setminus(B\cup C)
nur BBB∖(A∪C)B\setminus(A\cup C)
nur CCC∖(A∪B)C\setminus(A\cup B)
AA und BB, nicht CC(A∩B)∖C(A\cap B)\setminus C
AA und CC, nicht BB(A∩C)∖B(A\cap C)\setminus B
BB und CC, nicht AA(B∩C)∖A(B\cap C)\setminus A
alle dreiA∩B∩CA\cap B\cap C
keine der dreiΩ∖(A∪B∪C)\Omega\setminus(A\cup B\cup C)

Genau zwei Mengen heißt: Vereinige die drei Bereiche mit genau zwei Zugehörigkeiten. Der Dreifachschnitt gehört nicht dazu.

Vorgehen bei einer blau markierten Fläche

Prüfe für jeden Bereich: innen oder außen bezüglich AA, BB und gegebenenfalls CC? Beschreibe zuerst die einzelnen markierten Bereiche und vereinige sie anschließend. Du darfst mehrere gleichwertige Ausdrücke angeben.

Bezug zum Blatt: Aufgaben 10, 12, 20 und 21 verlangen Diagramme oder das Lesen markierter Flächen. Die Originalabbildungen bleiben bei den Aufgaben erhalten.

7. Potenzmengen systematisch bilden

Die Potenzmenge P(A)\mathcal P(A) ist die Menge aller Teilmengen von AA, einschließlich ∅\varnothing und AA selbst.

P({a,b})={∅,{a},{b},{a,b}}.\mathcal P(\{a,b\})= \{\varnothing,\{a\},\{b\},\{a,b\}\}.

Eine Menge mit nn Elementen hat 2n2^n Teilmengen:

∣P(A)∣=2∣A∣.|\mathcal P(A)|=2^{|A|}.

Bei fünf Elementen listest du nach Größe: eine leere, fünf einelementige, zehn zweielementige, zehn dreielementige, fünf vierelementige und eine fünfelementige Teilmenge. Insgesamt sind das 3232.

Für P({ {1,2},3 })\mathcal P(\{\,\{1,2\},3\,\}) sind die Ausgangselemente die Menge {1,2}\{1,2\} und die Zahl 33. Es gibt vier Teilmengen, nicht acht.

8. Teilbarkeit, Quadratzahlen und kurze Beweise

x∣20x\mid20 bedeutet: xx teilt 2020 ohne Rest. Es bedeutet nicht x/20x/20.

{x∈N∣x∣20}={1,2,4,5,10,20}.\{x\in\mathbb N\mid x\mid20\}=\{1,2,4,5,10,20\}.

In Z\mathbb Z gehören auch negative Teiler dazu. Achte außerdem auf zusätzliche Bedingungen wie 2∣x2\mid x.

Der Schnitt zweier Mengen von Vielfachen besteht aus den Vielfachen des kleinsten gemeinsamen Vielfachen:

{3k}∩{7k}={21k},\{3k\}\cap\{7k\}=\{21k\},

wobei der zugelassene Wertebereich von kk zur Grundmenge passen muss.

Beweis statt einzelner Beispiele

Drei aufeinanderfolgende natürliche Zahlen kannst du als n,n+1,n+2n,n+1,n+2 schreiben:

n+(n+1)+(n+2)=3n+3=3(n+1).n+(n+1)+(n+2)=3n+3=3(n+1).

Die Summe ist ein Vielfaches von 3. Das beweist die Aussage für alle erlaubten nn, statt sie nur an einzelnen Zahlen zu testen.

Vor dem Üben

  • Welche Grundmenge gilt? Ist die Null in N\mathbb N enthalten?
  • Geht es um ein Element, eine Teilmenge oder eine Potenzmenge?
  • Habe ich Zahlen und Brüche vor dem Mengenvergleich vereinfacht?
  • Auf welche Grundmenge bezieht sich das Komplement?
  • Habe ich bei Venn-Diagrammen den Bereich außerhalb aller Kreise berücksichtigt?

Jetzt selbst lösen

Rechne zunächst ohne Musterlösung. Nach der Auswertung siehst du jeden Rechenweg. Die offene Aufgabe bewertest du selbst anhand von drei Kriterien.

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