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Makroökonomie

Arbeitslosigkeit

Arbeitslos oder erwerbslos, die Formen der Arbeitslosigkeit und der Mindestlohn.

Zwei Konzepte: Arbeitslosigkeit und Erwerbslosigkeit

Beide Begriffe klingen gleich, werden aber von verschiedenen Stellen nach verschiedenen Regeln gemessen. In der Prüfung ist genau dieser Unterschied die Frage.

ArbeitslosigkeitErwerbslosigkeit
QuelleBundesagentur für ArbeitStatistisches Bundesamt / Eurostat
Grundlagedeutsches Sozialrecht (SGB)ILO-Konzept, international einheitlich
ErhebungRegistrierung bei der AgenturStichprobenbefragung (Mikrozensus)
Kernbedingungarbeitslos gemeldet, der Vermittlung verfügbar, unter 15 Std./Woche beschäftigtin der Berichtswoche keine Stunde gearbeitet, aktiv suchend, kurzfristig verfügbar

Wer eine Stunde pro Woche arbeitet, gilt nach ILO bereits als erwerbstätig, nach BA aber unter Umständen noch als arbeitslos. Deshalb weichen die Zahlen voneinander ab.

Wann welches Konzept? Für innerdeutsche Betrachtungen und Sozialpolitik die Arbeitslosenquote der BA; für internationale Vergleiche die Erwerbslosenquote nach ILO, weil nur sie über Länder hinweg einheitlich definiert ist.

Messung

Arbeitslosenquote=Anzahl der Arbeitslosen(zivile) Erwerbspersonen\text{Arbeitslosenquote}=\frac{\text{Anzahl der Arbeitslosen}}{\text{(zivile) Erwerbspersonen}}

Erwerbspersonen = Erwerbstätige + Arbeitslose, also alle Personen im arbeitsfähigen Alter, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

Ein hoher Beschäftigungsstand gilt bei etwa 4 % als erreicht – Vollbeschäftigung bedeutet nicht null Prozent, weil es immer Such- und saisonale Arbeitslosigkeit gibt.

Formen der Arbeitslosigkeit

FormUrsacheDauer
friktionelle (Such-)ArbeitslosigkeitZeit zwischen zwei Stellen; Suche und Vermittlung brauchen Zeitkurz, unvermeidbar
strukturelle ArbeitslosigkeitQualifikationen passen nicht zur Nachfrage; Wandel von Branchen und Regionenlang
konjunkturelle ArbeitslosigkeitNachfrageschwäche in der Rezessionmit dem Konjunkturzyklus
saisonale Arbeitslosigkeitwetter- oder jahreszeitabhängige Branchen (Bau, Landwirtschaft, Tourismus)regelmäßig wiederkehrend

Friktionelle und saisonale Arbeitslosigkeit gelten als normal; strukturelle und konjunkturelle sind wirtschaftspolitisch das eigentliche Problem.

Mindestlohn über dem Gleichgewichtslohn

Der gesamtwirtschaftliche Arbeitsmarkt lässt sich wie jeder Markt darstellen: Auf der x-Achse die Arbeitsmenge, auf der y-Achse der Lohn.

  • Die Arbeitsnachfrage der Unternehmen fällt mit steigendem Lohn.
  • Das Arbeitsangebot der Haushalte steigt mit steigendem Lohn.
  • Im Schnittpunkt liegt der Gleichgewichtslohn; dort ist der Markt geräumt.
  • Ein gesetzlicher Mindestlohn über dem Gleichgewichtslohn wirkt als Preisuntergrenze: Das Arbeitsangebot steigt, die Arbeitsnachfrage sinkt.
  • Die Differenz zwischen angebotener und nachgefragter Arbeitsmenge ist ein Angebotsüberschuss – und genau das ist Arbeitslosigkeit.

Liegt der Mindestlohn unter dem Gleichgewichtslohn, hat er keine Wirkung: Der Markt räumt sich weiterhin beim höheren Gleichgewichtslohn. Gegenargument in der Diskussion: Bei Nachfragemacht der Arbeitgeber (Monopson) kann ein Mindestlohn die Beschäftigung sogar erhöhen.

Aktiv wiederholen

Antworte erst selbst, dann öffne die Erklärung.

Worin unterscheiden sich Arbeitslosigkeit und Erwerbslosigkeit?

Arbeitslosigkeit misst die Bundesagentur nach deutschem Sozialrecht über Registrierungen; Erwerbslosigkeit misst das Statistische Bundesamt nach dem internationalen ILO-Konzept über Befragungen.

Welche Formen der Arbeitslosigkeit gibt es?

Friktionelle (Such-), strukturelle, konjunkturelle und saisonale Arbeitslosigkeit.

Was bewirkt ein Mindestlohn über dem Gleichgewichtslohn?

Das Arbeitsangebot steigt, die Arbeitsnachfrage sinkt; der Angebotsüberschuss ist Arbeitslosigkeit.

Quelle: Arbeitslosigkeit-Aufgaben · ISSK