Aktiv und Passiv
Umformungen in beide Richtungen: transitive und intransitive Verben, von/durch, Zeitformen, Modalverben und die drei Passiv-Ersatzformen.
Die Grundidee
Im Aktivsatz steht im Vordergrund, wer etwas tut. Im Passivsatz steht im Vordergrund, was mit jemandem oder etwas geschieht – wer handelt, ist oft nebensächlich oder unbekannt.
Für die Umformung ist die entscheidende Frage: Hat das Verb eine Akkusativ-Ergänzung? Davon hängt ab, ob im Passivsatz überhaupt ein Subjekt entsteht.
Beispiele
- Die Studenten schreiben die Prüfung. → Die Prüfung wird von den Studenten geschrieben.
- Im Schwarzwald wandert man viel. → Im Schwarzwald wird viel gewandert.
1. Transitive Verben (vt)
Ein transitives Verb hat eine Nominativ-Ergänzung und eine direkte Akkusativ-Ergänzung: Wer macht was?
- Die Akkusativ-Ergänzung des Aktivsatzes wird zur Nominativ-Ergänzung (zum Subjekt) des Passivsatzes.
- Ist das Subjekt im Aktivsatz „man“, entfällt es im Passivsatz ersatzlos.
- Ist das Subjekt ein Nomen oder Personalpronomen, wird es zu einer Präpositionalgruppe mit „von“ oder „durch“ – oder es entfällt, wenn es unwichtig ist.
- Das konjugierte Verb richtet sich nach dem neuen Subjekt: Zeitform, Singular/Plural und Modalverb beachten.
Beispiele
- Wegen Wartungsarbeiten kann man den kaputten Aufzug heute nicht benutzen. → Wegen Wartungsarbeiten kann der kaputte Aufzug heute nicht benutzt werden.
- In Japan hat das Erdbeben mehrere Häuser im Dorf zerstört. → In Japan sind durch das Erdbeben mehrere Häuser im Dorf zerstört worden.
- In Deutschland muss das Grünflächenamt das Baumfällen genehmigen. → In Deutschland muss das Baumfällen vom Grünflächenamt genehmigt werden.
2. Intransitive Verben (vi)
Ein intransitives Verb hat keine Akkusativ-Ergänzung. Es kann aber eine Dativ-Ergänzung (helfen, danken, gratulieren) oder eine präpositionale Ergänzung haben.
- Die Nominativ-Ergänzung des Aktivsatzes entfällt – deshalb gibt es hier auch keine Konstruktion mit von/durch.
- Da keine Akkusativ-Ergänzung vorhanden ist, hat der Passivsatz kein Subjekt.
- Bleibt Position 1 dadurch leer, steht dort der Platzhalter „es“. Ist Position 1 schon besetzt (z. B. durch eine Zeit- oder Ortsangabe), entfällt „es“.
- Das konjugierte Verb steht immer im Singular, in der richtigen Zeitform.
- Alle anderen Ergänzungen (Dativ, Präposition) bleiben unverändert.
Beispiele
- Leider kann man dem jungen Mann nicht mehr helfen. → Leider kann dem jungen Mann nicht mehr geholfen werden. = Es kann dem jungen Mann leider nicht mehr geholfen werden.
- Am Abend gratulierten Verwandte und Bekannte der jungen Frau zur Hochzeit. → Am Abend wurde der jungen Frau zur Hochzeit gratuliert.
- Die Direktion der Bank dankte dem alten Mitarbeiter herzlich. → Es wurde dem alten Mitarbeiter herzlich gedankt.
Merksatz: kein Akkusativ im Aktiv → kein Subjekt im Passiv. Der Dativ bleibt Dativ und wird nie zum Subjekt.
3. von oder durch?
Beides gibt den Urheber an, aber nicht beliebig austauschbar.
| Präposition | Kasus | Wann? | Beispiel |
|---|---|---|---|
| von | Dativ | Person oder Institution (Mensch, Universität, Ausländerbehörde) | Das Visum ist vom Ausländeramt verlängert worden. |
| durch | Akkusativ | instrumentale oder ursächliche Bedeutung (Brand, Tsunami, Bombenanschlag) | Die grüne Landschaft wurde durch den Brand vernichtet. |
„von dem“ wird meist zu „vom“ verkürzt.
4. Zeitformen im Passiv
Das Passiv wird mit „werden“ + Partizip II gebildet. Die Zeitform des Originalsatzes bleibt erhalten.
Beispielverb: bearbeiten
| Zeitform | Aktiv | Passiv |
|---|---|---|
| Präsens | Der Mann bearbeitet die Aufgabe. | Die Aufgabe wird bearbeitet. |
| Präteritum | Der Mann bearbeitete die Aufgabe. | Die Aufgabe wurde bearbeitet. |
| Perfekt | Der Mann hat die Aufgabe bearbeitet. | Die Aufgabe ist bearbeitet worden. |
| Präsens + Modalverb | Der Mann muss die Aufgabe bearbeiten. | Die Aufgabe muss bearbeitet werden. |
| Präteritum + Modalverb | Man durfte diese Pflanzen nur einmal gießen. | Diese Pflanzen durften nur einmal gegossen werden. |
Im Perfekt heißt es „worden“, nicht „geworden“.
5. Passiv-Ersatzformen: die Grundidee
Eine Ersatzform drückt denselben Inhalt aus wie ein Passivsatz, benutzt aber eine andere Struktur. Der Aktivsatz ist dabei die Ersatzform, die du schon kennst – dort ändern sich allerdings Satzstruktur und Subjekt.
Bei den eigentlichen Passiversatzformen bleibt das Subjekt (die Nominativ-Ergänzung) gleich wie im Passivsatz, nur die Struktur ändert sich. Die Bedeutung bleibt identisch.
Entscheidende Voraussetzung: Passiversatzformen kannst du nur bilden, wenn im Passivsatz ein Modalverb steht. Ohne Modalverb gibt es keine Ersatzform.
Beispiele
- Passiv mit Modalverb: Dieser Pullover kann in der Waschmaschine bei 30 Grad gewaschen werden. (Modalverb + Partizip II + Infinitiv „werden“)
-
- lassen + sich: Dieser Pullover lässt sich in der Waschmaschine bei 30 Grad waschen.
-
- sein + Adjektiv: Dieser Pullover ist in der Waschmaschine bei 30 Grad waschbar.
-
- sein + zu + Infinitiv: Dieser Pullover ist in der Waschmaschine bei 30 Grad zu waschen.
Umgekehrt gilt: Beim Umformen einer Ersatzform zurück ins Passiv oder Aktiv muss immer ein Modalverb benutzt werden.
6. Die drei Ersatzformen im Überblick
Welche Form möglich ist, hängt vom Modalverb des Passivsatzes ab. Das ist die wichtigste Entscheidung bei jeder Aufgabe.
- Modalverb „können“ im Passivsatz ⇒ alle drei Ersatzformen sind möglich.
- Modalverb „müssen“, „sollen“ oder „dürfen“ ⇒ nur „sein + zu + Infinitiv“.
- Für das Suffix des Adjektivs (-bar, -lich, -abel) gibt es keine Regel – das lernst du mit dem Wort.
- Nicht jedes Verb bildet ein solches Adjektiv: Zu „motivieren“ gibt es keine Form auf -bar/-lich.
- Auch der Kontext kann eine Form ausschließen: „Zucker ist in Wasser löslich“ ist üblich, „Zucker ist in Wasser zu lösen“ dagegen nicht.
Ausgangssatz: Man kann diesen Pullover waschen. / Dieser Pullover kann gewaschen werden.
| Ersatzform | Bildung | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|---|
| lassen + sich + Infinitiv | Subjekt + lässt/lassen sich + Infinitiv | nur Möglichkeit (= können) | Dieser Pullover lässt sich waschen. |
| sein + Adjektiv auf -bar/-lich/-abel | Subjekt + ist/sind + Adjektiv | nur Möglichkeit (= können) | Dieser Pullover ist waschbar. |
| sein + zu + Infinitiv | Subjekt + ist/sind + zu + Infinitiv | je nach Kontext: Möglichkeit, Notwendigkeit, Empfehlung, Erlaubnis oder Verbot | Dieser Pullover ist zu waschen. |
Steht im Passivsatz „müssen“, „sollen“ oder „dürfen“, ist nur „sein + zu + Infinitiv“ möglich – die beiden anderen Formen bedeuten immer „können“.
Beispiele
- Man kann diese Produkte leider nicht verkaufen. → Diese Produkte lassen sich leider nicht verkaufen. / sind leider unverkäuflich (nicht verkäuflich). / sind leider nicht zu verkaufen.
- Die Lehrer können Kinder leicht motivieren. → Kinder lassen sich von den Lehrern leicht motivieren. / sind von den Lehrern leicht zu motivieren. (kein Adjektiv möglich)
- Die Studenten müssen die Klausur am Montag schreiben. → Die Klausur ist von den Studenten am Montag zu schreiben. (nur diese Form, wegen „müssen“)
- Man darf diese Pflanzen nur einmal pro Woche gießen. → Diese Pflanzen sind nur einmal pro Woche zu gießen. (nur diese Form, wegen „dürfen“)
Die Verneinung steckt oft schon im Adjektiv: nicht verkäuflich = unverkäuflich, nicht kündbar = unkündbar, nicht verzeihlich = unverzeihlich.
7. Rückumformung: welches Modalverb?
Beim Weg zurück ins Passiv oder Aktiv brauchst du immer ein Modalverb. Bei zwei Formen steht es fest, bei der dritten entscheidet der Kontext.
- „lassen + sich + Infinitiv“ ⇒ immer mit „können“, denn die Bedeutung ist Möglichkeit.
- „sein + Adjektiv auf -bar/-lich/-abel“ ⇒ ebenfalls immer mit „können“.
- „sein + zu + Infinitiv“ ⇒ Kontext lesen und danach entscheiden: müssen (Notwendigkeit), sollen (Empfehlung, Hinweis), dürfen (Erlaubnis, Verbot) oder können (Möglichkeit).
Beispiele
- Die Helligkeit des Smartphones lässt sich leicht regulieren. → Die Helligkeit kann man leicht regulieren. (Aktiv) / Die Helligkeit kann leicht reguliert werden. (Passiv)
- Diese Pilze sind essbar. → Diese Pilze können gegessen werden.
- Dieses Auto ist als Muster unverkäuflich. → Dieses Auto kann als Muster nicht verkauft werden.
- Diese Tassen aus Glas sind zerbrechlich. → Diese Tassen aus Glas können zerbrochen werden.
Merke: Beide „können“-Formen sind bequem, weil du nicht nachdenken musst. Nur bei „sein + zu + Infinitiv“ musst du den Satz wirklich lesen.
8. „sein + zu + Infinitiv“: der Kontext entscheidet
Ein und derselbe Satz kann je nach Zusatzangabe eine ganz andere Bedeutung haben. Beispielsatz: Diese Aufgabe ist … zu lösen.
Kontext → Bedeutung → Modalverb
| Kontext im Satz | Bedeutung | Umformung ins Passiv |
|---|---|---|
| leicht / problemlos / ganz einfach | Möglichkeit | Diese Aufgabe kann leicht gelöst werden. |
| mithilfe des Rechners schnell | Möglichkeit | Diese Aufgabe kann mithilfe des Rechners schnell gelöst werden. |
| überhaupt nicht / kaum | Möglichkeit | Diese Aufgabe kann überhaupt nicht gelöst werden. |
| unbedingt bis Montag | Notwendigkeit | Diese Aufgabe muss unbedingt bis Montag gelöst werden. |
| während der Prüfung innerhalb von 20 Minuten | Empfehlung / Notwendigkeit | Diese Aufgabe soll (muss) innerhalb von 20 Minuten gelöst werden. |
| im Test ohne Hilfsmittel | Notwendigkeit / Verbot / Hinweis | Diese Aufgabe muss (darf / soll) ohne Hilfsmittel gelöst werden. |
| nur mithilfe eines Wörterbuchs | Erlaubnis / Verbot | Diese Aufgabe darf nur mithilfe eines Wörterbuchs gelöst werden. |
Signalwörter für Möglichkeit: leicht, problemlos, einfach, schnell, kaum, überhaupt nicht. Signalwörter für Notwendigkeit: unbedingt, bis + Termin, jeden Tag. Signalwörter für Erlaubnis/Verbot: nur, ausschließlich.
Beispiele
- Diese Aufgabe ist leicht zu lösen. → Diese Aufgabe kann leicht gelöst werden. (Möglichkeit)
- Die Tiere sind unbedingt jeden Tag zu füttern. → Die Tiere müssen unbedingt jeden Tag gefüttert werden. (Notwendigkeit)
- Der Pullover ist nur bei 30 Grad zu waschen. → Der Pullover muss / darf / soll nur bei 30 Grad gewaschen werden.
- Die Textproduktion ist während der Prüfung innerhalb von 60 Minuten zu schreiben. → Die Textproduktion muss / soll innerhalb von 60 Minuten geschrieben werden.
Bei trennbaren Verben rutscht das „zu“ in die Wortmitte: zusammenfassen → zusammenzufassen, abschließen → abzuschließen, ablesen → abzulesen.
9. Typische Fehlerquellen
- Zeitform des Originalsatzes übernehmen – das wird am häufigsten übersehen.
- Singular/Plural: Das neue Subjekt bestimmt die Verbform. „Der Mann bearbeitet viele Aufgaben“ → „Viele Aufgaben werden … bearbeitet.“
- Artikel- und Adjektivendungen anpassen: aus dem Nominativ wird nach „von“ ein Dativ.
- n-Deklination beachten: „Der Chirurg operierte den alten Mann.“ → „Der alte Mann wurde von dem Chirurgen operiert.“
- Dativ Plural bekommt ein -n: „von den Forschern“.
- Trennbare Verben werden im Partizip II wieder zusammengeschrieben: durchführen → durchgeführt.
- Unregelmäßige Partizipien nicht vergessen: lesen → gelesen, ausgeben → ausgegeben.
- Bei Ersatzformen: erst auf das Modalverb schauen. Bei „müssen“, „sollen“ und „dürfen“ ist nur „sein + zu + Infinitiv“ richtig.
- Auch die Ersatzform übernimmt die Zeitform: „Diese Autoteile ließen sich reparieren“ → „waren reparierbar“ (nicht „sind“).
- „lassen“ richtet sich nach dem Subjekt: der Pullover lässt sich, die Produkte lassen sich.
Beim Umformen ins Aktiv ohne genannten Urheber ist „man“ das übliche Subjekt – und „man“ verlangt immer die Singularform des Verbs.