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Wie Sprachbilder unsere alltägliche Kommunikation beeinflussen

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A. · ab Zeile 1

„Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“ – kaum jemand denkt bei diesem Sprichwort an eine Vogelart oder warmes Wetter. Die Warnung, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, versteht dagegen fast jeder. Sprachbilder wie dieses gibt es für alle Lebenslagen und meistens werden sie beim Sprechen unbewusst eingesetzt. Sie prägen die alltägliche Kommunikation und sind in vielen Gesprächen unverzichtbar.

B. · ab Zeile 6

Woher die treffenden Aussprüche ursprünglich kommen, ist bei vielen von ihnen selbst unter Sprachwissenschaftlern nicht mehr genau bekannt. Vor Jahrhunderten entstanden, wurden die meisten nur mündlich weitergegeben. In etlichen Ländern entstanden nach und nach schriftliche Sammlungen der eigenen Sprichwörter, die später anders zusammengestellt und immer wieder abgeschrieben wurden. Reisende brachten sie aus fremden Ländern mit und veröffentlichten sie in Reiseberichten. In der Kultur des Mittelalters wird das Sprichwort in allen Lebensbereichen als Ausdrucksmittel geschätzt. Seit dem 12. Jahrhundert empfehlen zahlreiche Lehrwerke der Rhetorik das Sprichwort als Stilmittel zur Unterstützung der Beweiskraft didaktischer Schriften. Mittelalterliche Predigten setzen ebenfalls häufig auf diese Bildsprache. Manche Sprichwörter dagegen haben sich erst in den letzten Jahren gebildet. So ist beispielsweise das Sprichwort: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ bereits so fest in die deutsche Sprache integriert, dass es sogar im Duden steht. Dabei ist der Ausspruch noch sehr jung, denn er geht auf eine Rede zurück, die Michail Gorbatschow 1989 anlässlich des 40. Geburtstags der DDR gehalten hat. Seitdem hat der Satz eine bemerkenswerte Karriere gemacht und dabei ein Eigenleben entwickelt, das ihn völlig unabhängig von seinem ursprünglichen Kontext macht.

C. · ab Zeile 22

Genau das zeichnet aus Sicht der Sprachwissenschaftler ein Sprichwort aus. Denn die meisten Sinnsprüche, auch wenn sie einen historischen Ursprung haben, können auf eigene Bedürfnisse oder aktuelle Ereignisse übertragen werden. Dabei werden sie nicht selten so verändert, dass sie humorvolle Anspielungen enthalten, wie zum Beispiel: „Wer zu spät kommt, den bestraft die Ehefrau.“ Sprichwörter aus Afrika, Asien und anderen Erdteilen spiegeln fremde Kulturen und Bräuche wider und wirken manchmal etwas fremd. Etliche Sprichworte gibt es allerdings ähnlich in mehreren Ländern, weil sie vor langer Zeit den gleichen Ursprung hatten. Zum Beispiel soll man in vielen Ländern keine möglichen Gefahren wecken: In China klingt das so: „Es bringt nur Unheil, einen Tiger aus dem Schlaf zu rütteln.“ In Deutschland kennt man diesen Ratschlag als: „Schlafende Hunde soll man nicht wecken.“

D. · ab Zeile 32

Im Gegensatz zum Sprichwort, das aus einem vollständigen Satz besteht (wie zum Beispiel „Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“), können Redewendungen verändert werden und in beliebige Sätze integriert werden. Der Duden definiert Redewendung als eine „feste Verbindung von Wörtern, die zusammen eine bestimmte, meist bildliche Bedeutung haben“. So sagt man „ins Gras beißen“ statt „sterben“ oder „von den Socken sein“ statt „erstaunt sein“. Redewendungen sind flexibel in ihrer Form, sodass man sagen kann „Er hat ins Gras gebissen“ oder „Niemand möchte ins Gras beißen“. Ein Sprichwort dagegen hat die Form einer festen und unveränderlichen Formulierung. Darin unterscheidet es sich von der Redewendung. Gemeinsam ist Sprichwort und Redewendung die bildhafte Sprache.

E. · ab Zeile 41

Sprichwörter spiegeln die Normen der Zeit wider, in der sie entstanden sind. Die in Sprachbilder verpackten Verhaltensweisen oder Lebensweisheiten lassen sich leicht in die zu ihrer Zeit geltenden Wertvorstellungen einordnen. Der Spruch „Wer rastet, der rostet“ enthält zum Beispiel eine klare Anweisung für die Lebensführung und zeigt, dass Fleiß einen hohen Stellenwert hat. Das Sprichwort drückt in der Regel einen allgemein gültigen Satz aus, der entweder eine Erfahrung des täglichen Lebens („Neue Besen kehren gut.“), ein Urteil oder eine Meinung („Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“), eine Warnung („Verliebe dich oft, verlobe dich selten, heirate nie!“) oder eine Vorschrift enthält („Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“). Ändern sich jedoch die sozialen Bedingungen, gehen viele darauf anspielende Sprichwörter mit der Zeit verloren. Andere Sprichwörter erhalten sich dagegen auch dann, wenn sie keinen modernen Bezug mehr haben. So ist der aus dem 19. Jahrhundert stammende Satz „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.“ auch heute noch gebräuchlich.

F. · ab Zeile 54

Besonders in den Massenmedien und in der Werbung sind Sprichwörter sehr beliebt. Das hat einen einfachen Grund: Sie vermitteln Bilder, die einen komplexen Zusammenhang kurz und klar wiedergeben. Die Bilder machen den Zuhörer oder Leser aufmerksam, und er versteht die Bedeutung auch, wenn er die genauen Hintergründe und Details nicht kennt. Eine Einschränkung gibt es allerdings: Zur Erfassung der Bedeutung mancher Redewendungen muss der Leser oder Zuhörer ein gewisses Maß an Allgemeinbildung haben. Wenn jemand zum Beispiel nicht weiß, dass Rinder in Indien heilige Tiere sind, die weder geschlachtet noch sonst verletzt werden dürfen, kann er nicht verstehen, dass man unter einer „heiligen Kuh“ auch einen Grundsatz versteht, gegen den nicht verstoßen werden darf.

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